Kontexteffekte

Von Verwandte, Freunde aber auch Kollegen und Leute die man auf einer Feier trifft wird man als Doktorand oft gefragt worüber man denn eigentlich schreibt. Was sagt man denn da?! Zum Beispiel: „In meiner Dissertation schreibe ich über Kontexteffekte und erkläre den Grundgedanken dahinter mit der Frage ob und wie arme Stadtteile Arme ärmer machen.“ Bei gefühlten 50 Prozent der Fälle wird dann dann die Frage gestellt: „Und?“ Dann kommt die (vollkommen richtige) Soziologenantwort „Kommt drauf an…“ Doch in diesem Beitrag möchte ich mich weniger um den Sinn und Unsinn solcher Gespräche auslassen, als der Frage nachzugehen was eigentlich unter Kontexteffekten zu verstehen ist. Die Frage ob die Umwelt einen Menschen beeinflusst, ist keine die ausschließlich der Stadtsoziologie zufällt. Auch Psychologen, Raumplaner, Werbedesigner oder Architekten interessiert das. Allen zugrunde liegt die Vermutung, dass der Einzelne von seiner Umgebung lernt. In der Bildungsforschung wird z.B. darüber nachgedacht ob leistungsschwächere Kinder von leistungsstärkeren profitieren können. Teile der Genderforschung widmen sich der Frage ob und wie Unternehmen diskriminierend gegenüber Frauen auftreten. Auch die wenig hilfreiche Debatte über Parallelgesellschaften von Zuwanderern geht davon aus, dass die Umwelt den Einzelnen beeinflusst.

Die klassischen Ansätze in der Kontexteffektforschung zu Wohngebieten sind, wie soviel anderes auch, in der Chicagoer Schule, zu Beginn des letzten Jahrhunderts, zu finden. Damals ging es mehr um Kriminalität, was aber auch heute noch einen großen Zweig der Forschung zu Kontexteffekten ausmacht. Doch was ist nun ein Kontexteffekt? Üblicher Weise unterscheidet man zwischen Effekten aus dem Kontext heraus und solchen die den Kontext betreffen. Zu beiden ein Beispiel. Ein Schulkind das nach einem Schulwechsel in eine neue Klasse kommt, hat die Präferenz für die Schulranzenmarke A. Da jedoch alle anderen Kinder in der neuen Klasse die Marke B präferieren, kann es dazu kommen, dass sich das Mitglied in der Gruppe einem Anpassungsdruck ausgesetzt fühlt, insbesondere wenn es Sanktionen für seine Präferenz, wie gehänselt werden, erfährt. Wenn sich dadurch die Präferenz A zu B verschiebt, ist von einem Kontexteffekt die Rede. Ein anderes Beispiel ist, dass manchen Wohngegenden ein schlechter Ruf zugeschrieben wird. Person A lebt in einem solchen Gebiet, Person B hingegen in einem eher guten Stadtteil. Beide haben den gleichen Bildungsweg hinter sich und bewerben sich auf die selbe Stelle. Wenn aufgrund der Adresse B den Job bekommt und A leer ausgeht, ist auch hier von einem Kontexteffekt auszugehen. Kontexteffekte sind also Beeinträchtigungen (oder auch Bevorteilungen) aufgrund der Umgebung.

In meiner Dissertation schaue ich mir, am Beispiel einer Kölner Großsiedlung, an, wie eine Übernahme von Verhalten nach einem Zuzug vor sich geht. Die Überlegung, dass eine Umgebung, zumindest unter bestimmten Voraussetzungen, einen Menschen beeinflusst ist nachvollziehbar. Doch wie dieser Prozess abläuft, wenn man in einen neuen Stadtteil zieht, ist mir noch nicht klar. Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1f/Beispiel_Kontrast.jpg

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3 Gedanken zu “Kontexteffekte

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