Datenquellen in der Stadtforschung

In diesem Beitrag möchte ich einen kurzen Überblick über Datenquellen in der Stadtforschung geben. Im Unterschied zu vielen anderen Bereichen in den Sozialwissenschaften kann in der Stadtforschung nur begrenzt auf große Bevölkerungsumfragen, wie dem ALLBUS oder das SOEP, zurückgegriffen werden.

Die räumlichen Angaben der Wohnorte der Befragten begrenzen sich oft nur auf Regionen oder Kommunen. Selbst wenn die Adresse eines Befragten bekannt sein sollte, sind es dann zumeist zu wenige Befragte pro Stadt um Vergleiche zwischen Stadtteilen zu berechnen. Die Erhebungen sind halt nicht für kleinräumige Analysen gemacht. Bei der Planung eines Designs kommt die Frage hinzu, ob ein Stadtteil besonders intensiv betrachtet werden  oder Stadtteile verglichen werden sollen. Für beides bleiben zwei unterschiedliche Datenquellen übrig: zum einen kann auf kleinräumige Daten der amtlichen Statistik zurückgegriffen werden, zum anderen können eigene Erhebungen durchgeführt werden.

Alle Kommunen haben, spätestens seit der Volkszählung 1987, ihre Städte in kleinere Einheiten aufgeteilt. Wie die Einheiten heißen, unterscheidet sich zwischen den Kommunen. So können in den unterschiedlichen Kommunen statistische Bezirke, Stadtbezirke, Nachbarschaften, Sozialräume oder Stadtteile ungefähr gleich große Raumeinheiten meinen, oder eben auch nicht. Nachzufragen ist das bei den jeweiligen kommunalen Statistikämtern. Für diese Raumeinheiten sind kommunal spezifisch unterschiedliche Daten vorhanden. Das Mindeste sind demografische Daten wie die Bevölkerungsgröße, Altersstruktur, Fluktuation und die Anzahl der Ausländer. Jeder Prozess in der Kommune erzeugt Daten, z.B. bei der Anmeldung des Autos, und diese können den Raumeinheiten zugespielt werden. So liegen den Kommunen in unterschiedlichem Maße auch weitere Daten wie SGB II Quote, Schüler je Schulform, Besuch der Kindertagesstätte, Anzahl der Ärzte oder auch PKWs usw. vor. Da die Daten aber oftmals nicht für einen kleinräumigen Städtevergleich genutzt werden können, z.B. weil die räumlichen Einheit unterschiedliche Größen aufweisen, gibt es zunehmend private Anbietet, welche, in nicht immer bekannten Verfahren eigene Indikatoren berechnen. Auch werden Daten zunehmend in Raster eingespeist, die z.B. eine Größen von 1000 m2 haben. Noch stehen die Rasterdaten nicht flächendeckend zur Verfügung. Hier zeichen sich aber große Potenziale für die Zukunft ab.

Andere Datenquellen sind eigene Erhebungen. Der Nachteil ist der zumeist hohe Zeitaufwand. Vorteile bestehen in der klaren Ausrichtung der Erhebung auf die Beantwortung der eigenen Forschungsfrage. Grundlage dafür ist die klare Abgrenzung des Erhebungsgebiets. Denn Informationen, z.B. aus Protokollen einer Bezirksvertretung, nutzen einem nur bei klarem Bezug auf den Erhebungsort. Neben der Festlegung des Bezugsortes und der Untersuchungszeit braucht es der eindeutigen Festlegung des Untersuchungsziels. Möglichkeiten sind hier z.B. Zeitungsanalysen um den Ruf eines Stadtteils zu untersuchen, aber auch qualitative Interviews mit Bewohner eines Wohnviertels. Ein etwas älteres aber gutes Beispiel dazu liefern Gestring et al. (2003), die anhand der Großsiedlung Varnheide-Ost (Hannover), mittels qualitativer Interviews mit türkeistämmigen Bewohner und sowie Experten, die benachteiligende Wirkung des Stadtteils herausarbeiten. Aber auch durch Methoden, wie die Auswertung von Google Street View, oder Interviews mit Politikern können Informationen über Stadtteile gesammelt werden. Durch Befragungen von Einstellungen, wie sie beispielsweise Blasius et al. (2008) präsentieren, können z.B. Kontexteffekte auf der Ebene von Stadtteilen untersucht werden.

Daten der amtlichen Statistik sowie eigene Erhebungen bieten Möglichkeiten Informationen über Stadtteile zu gewinnen, ob vergleichend oder als Fallanalyse. Jedoch bleibt, vielleicht mit Ausnahme der Möglichkeit eigener umfangreicher Befragungen, oftmals nur die Möglichkeit der Kombination unterschiedlicher Methoden und Analysestrategien. Welche Quellen der Stadtforschung dafür zur Verfügung stehen, wurde in diesem Beitrag skizziert.

Literatur

Blasius, Jörg, Jürgen Friedrichs, und Jennifer Klöckner. 2008. Doppelt benachteiligt? Leben in einem deutsch-türkischen Stadtteil. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Gestring, Norbet, Andrea Janßen, und Ayça Polat. 2003. „ Als Gegend eine der schönsten Hannovers “ – Migranten in einer Großsiedlung. Informationen zur Raumentwicklung 3: 207–216.

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3 Gedanken zu “Datenquellen in der Stadtforschung

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