Gentrifizierung messen

In den wissenschaftlichen Debatten haftet dem Begriff Gentrification der Ruf eines chaotischen Konzepts an. Unterschiedliche Definitionen, vielfältige Ursachen und jeweils lokal spezifische Erscheinungsformen der Aufwertung lassen den Begriff unscharf wirken und erschweren eine systematische Übersicht über die Befundlage. Diesen Eindruck teilten einige der führenden Gentrification-ForscherInnen in Deutschland, als sie sich im November 2012 in der Thyssen-Stiftung trafen und beschlossen, ein Projekt zum Review der Befundlage in Deutschland zu beantragen. Die Ergebnisse dieses Projekts wurden im März 2018 publiziert. „Gentrifizierung messen“ weiterlesen

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Feldforschung in Plovdiv-Stolipinovo

#togehter so heißt das Motto der Kulturhauptstadt 2019, Plovdiv. Die Stadt liegt im Herzen Bulgariens und gehört zu den ältesten Städten Europas. Es leben circa 370.000 Menschen in der Stadt. Der Region geht es, für bulgarische Verhältnisse, gut und zahlreiche Industrieunternehmen sind in und um Plovdiv ansässig. Zu Plovdiv gehört auch der Stadtteil Stolipinovo, in dem rund 40.000 Menschen leben, was rund 20% der lokalen Bevölkerung ausmacht. Der Stadtteil ist zugleich der größte mehrheitlich von Roma bewohnte Stadtteil der Europäischen Union und gezeichnet von hoher und sogar teils absoluter Armut. Von dort aus migrieren relativ viele Menschen, zumindest temporär, nach Deutschland und vor allem in ins Ruhrgebiet. Im April 2019 werde ich mit einer Gruppe von Studierenden der FH Münster Stolipinovo genauer untersuchen.

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Normalitätsverschiebung

Normalität ist nichts Feststehendes, sondern verändert sich durch Diskussionen, Bilder, Narrative, auch mithilfe von social media, schneller als je zuvor. Gegenwärtig erleben wir im Diskurs über Geflüchtete eine merkbare Veränderung dessen, was als akzeptabel gilt oder als normal empfunden wird. Zu beobachten ist eine Normalitätsverschiebung vor allem in Ostdeutschland, was sich u. a. durch eine fehlende demokratische Infrastruktur in Folge von Gebietsreformen, ein bereits bestehendes Vorurteilsreservoir, eine mangelnde Aufarbeitung des Nationalsozialismus sowie Entsicherungs- und Abwertungserfahrungen nach der Wiedervereinigung erklären lässt. „Normalitätsverschiebung“ weiterlesen

Ausgrenzung Geflüchteter. Eine empirische Untersuchung am Beispiel Bautzen

Im Juni 2018 ist meine Studie „Ausgrenzung Geflüchteter. Eine empirische Untersuchung am Beispiel Bautzen“ im VS Verlag für Sozialwissenschaften erschienen. Hierin wird die Frage beantwortet, wie einzelne Kommune zu Orten der Ausgrenzung für Flüchtlinge werden. Dafür habe ich exemplarisch die ostsächsische Stadt Bautzen untersucht, wofür ich sowohl Statistiken, als auch Protokolle politischer Debatten, Medienberichte, teilnehmende Beobachtungen und über 100 leitfadengestützte Interviews mit Bürgerinnen und Bürgern, Geflüchteten, Politikern sowie Vertretern der Zivilgesellschaft und öffentlicher Einrichtungen ausgewertet habe. In diesem Artikel möchte ich einen kurzen Überblick zum Inhalt der Arbeit liefern.

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Gentrification und der Verlust von Heimat

In einer vor kurzem veröffentlichen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach wurden Personen zu ihrem Verständnis von Heimat befragt. Ein Großteil der Befragten assoziierte mit Heimat Kindheit, Familie, Freunde und Geborgenheit. 78 Prozent der Befragten nennen als Gefahr für Heimat, „dass viele alteingesessene Geschäfte schließen und dafür die immer gleichen Filialen großer Einkaufsketten aufmachen“ (Beitrag zur Studie im Deutschlandfunk Kultur). Wenngleich die Studie online nicht verfügbar ist, möchte ich diesen Befund doch zum Anlass nehmen und Zusammenhänge zur Gentrification erläutern. „Gentrification und der Verlust von Heimat“ weiterlesen

Wem gehört die Nachbarschaft?

Ein seit Jahren unbebautes Grundstück im stark nachgefragten Szeneviertel. Eine umfassend sanierte Fassade umringt von Häuser, von denen der Putz herabfällt. Ein leerstehendes Kaufhaus in einer belebten Einkaufspassage. Ein Wohnungsangebot weit unter der ortsüblichen Vergleichsmiete. Immer wieder gibt es Wohnungen, Immobilien und Grundstücke, die in in Anbetracht ihres jeweiligen Umfelds ungewöhnlich erscheinen. Eine mögliche Erklärung kann ein Blick hinter die Kulissen liefern: auf die Eigentümer, deren Handlungsmöglichkeiten und Strategien im Umgang mit Immobilien. „Wem gehört die Nachbarschaft?“ weiterlesen

Code of the Street: Überblick zu einem theoretischen Konzept

Straßenkriminalität und Jugendgewalt gehören zu den Dauerbrennern medialer Berichterstattung sowie gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Diskussionen. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für andere Länder wie z.B. die USA oder Südafrika. Einer der bekanntesten Theorien zur Erklärung von Jugendgewalt ist der sogenannte Code of the Street. Im Folgenden möchte ich einen kurzen Überblick zur Theorie, ihrer Entstehung und ihren grundlegenden Annahmen geben und einige kritische Punkte benennen. „Code of the Street: Überblick zu einem theoretischen Konzept“ weiterlesen

Kollektive Wirksamkeit: Bedeutung und Messung eines einflussreichen Konzepts

Nachbarschaften unterschieden sich in vielerlei Hinsicht, ob nach Größe, Sozialstruktur oder Vertrauen. Letzteres scheint wichtig zu sein, um das Auftreten abweichenden Verhaltes und gar Kriminalität besser zu verstehen. Hierfür hat sich das Konzept der kollektiven Wirksamkeit (collective efficacy) in den letzten 20 Jahren etabliert. In diesem Beitrag möchte ich zum einen eine Definition kollektiver Wirksamkeit besprechen  und zum anderen wie diese üblicherweise gemessen wird. Abschließend wird noch weiterführender Forschungsbedarf zu kollektiver Wirksamkeit benannt.

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Nachbarschaft: eine komplexe Selbstverständlichkeit

Nahezu jeder Mensch hat Nachbarn und ist in Teil einer Nachbarschaft . Doch ist es unklar, was Nachbarschaft genau ist, wer dazugehört, was Nachbarschaft leisten kann und soll. In diesem Beitrag möchte ich einen kurzen Überblick zum Begriff Nachbarschaft geben. Dazu diskutiere ich die Unterschiede zwischen Nachbar und Nahbarschaft die Veränderungen von Nachbarschaft im Laufe der Zeit sowie das Verhältnis von Nachbarschaft und Digitalisierung.

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Feldforschung in der Stadtforschung

In der soziologischen Stadtforschung ist das Vorgehen sog. Feldforschung schon seit ihrem Beginn üblich. Das zu erforschende „Feld“ kann z. B. ein Stadtteil, eine Stadt, eine bestimmte Gruppe, ein Milieu, eine Subkultur oder ein Ort sein. Im Rahmen dieses Beitrages werde ich einen kurzen Überblick geben, was Feldforschung in der Stadtforschung sein kann und welche Vorraussetzungen gegeben sein müssen. „Feldforschung in der Stadtforschung“ weiterlesen