Normalitätsverschiebung

Normalität ist nichts Feststehendes, sondern verändert sich durch Diskussionen, Bilder, Narrative, auch mithilfe von social media, schneller als je zuvor. Gegenwärtig erleben wir im Diskurs über Geflüchtete eine merkbare Veränderung dessen, was als akzeptabel gilt oder als normal empfunden wird. Zu beobachten ist eine Normalitätsverschiebung vor allem in Ostdeutschland, was sich u. a. durch eine fehlende demokratische Infrastruktur in Folge von Gebietsreformen, ein bereits bestehendes Vorurteilsreservoir, eine mangelnde Aufarbeitung des Nationalsozialismus sowie Entsicherungs- und Abwertungserfahrungen nach der Wiedervereinigung erklären lässt. Das Toxische einer Normalitätsverschiebung ist, dass sie nur im Vergleich mit anderen Orten und Zeiten erkennbar ist und ihre Thematisierung oft als Diskreditierung des Gemeinwesens dargestellt wird. Daher braucht es eine starke Allianz von Akteuren innerhalb und außerhalb des politischen Spektrums, um solche demokratiegefährdende Entwicklungen öffentlich zu skandalisieren und ihnen entgegenzuwirken.

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Brauchen wir „Kultur“ zur Erklärung der Integration von Migranten?

Im Rahmen meiner Dissertation beschäftige ich mich mit der standardisierten Messung der Integration von Migranten. Vor diesem Hintergrund unterstelle ich eine objektive Realität, die man als solche auch objektiv messen kann. Demnach versuche ich, mich meinem Untersuchungsgegenstand möglichst unabhängig von meiner eigenen Meinung zu nähern. Dabei ist mir durchaus bewusst: So einfach ist die Welt zumeist nicht und ja, auch statistische Analysen garantieren keine objektiven Erkenntnisse. Dennoch: Wollen wir zuverlässige und generalisierbare Aussagen über Gruppen von Menschen treffen, sind wir auf statistische Auswertungen angewiesen. Zudem sollte man sich zumindest einigen können, worüber man redet, wenn man sinnvoll über ein Thema diskutieren möchte. Wenn jeder unter einem Begriff etwas Anderes versteht, wird eine Diskussion nie zu einem konstruktiven Ende gelangen.

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